PV-Anlage in der Wohngebäudeversicherung: Mitversichert oder nicht?

PV-Anlage in der Wohngebäudeversicherung mitversichert? Meist erst nach Meldung: Gefahrerhöhung (§ 23 VVG), Zuschlag 35–120 €/Jahr, was gedeckt ist und was nicht.

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Nein, nicht automatisch. Bei den meisten bestehenden Wohngebäudeversicherungen ist eine nachträglich montierte PV-Anlage erst mitversichert, wenn du sie dem Versicherer gemeldet und – meist für 35–120 € Zuschlag im Jahr – in den Vertrag aufgenommen hast. Ohne Meldung riskierst du als Gefahrerhöhung nach § 23 VVG Leistungskürzungen bis hin zur Leistungsfreiheit. Gedeckt sind dann typischerweise Feuer, Blitz, Sturm, Hagel und Leitungswasser, nicht aber Bedienfehler, Tierbiss, Diebstahl oder Ertragsausfall.

Ist die PV-Anlage in der Wohngebäudeversicherung automatisch mitversichert?

Der Versichererverband GDV sagt es deutlich: Der bestehende Schutz einer Wohngebäudeversicherung erstreckt sich in der Regel nicht auf eine PV-Anlage. Zwei Wege führen zur Deckung: ein PV-Baustein in der Gebäudepolice oder eine separate Photovoltaikversicherung. In den GDV-Musterbedingungen (VGB 2022) ist die Anlage eine zusätzlich vereinbarbare Klausel; versichert sind dann Module, Montagegestell, Befestigungen, Wechselrichter, Leistungsoptimierer und Verkabelung – meist bis zu einer im Vertrag genannten kWp-Grenze. Der Batteriespeicher ist laut ADAC nicht immer automatisch enthalten und kostet als Baustein etwa 20–50 € im Jahr extra.

Neuere Tarife schließen kleine Dachanlagen bis zu einer Leistungsgrenze ohne Aufpreis ein. Ob deiner dazugehört, steht in den Versicherungsbedingungen unter „Photovoltaik", „Solaranlagen" oder „Gebäudezubehör". Wer beim Hauskauf eine Anlage übernimmt, muss ebenfalls prüfen, ob sie im Vertrag steht – siehe PV-Anlage beim Hauskauf übernehmen.

Meldepflicht: Warum die Anlage als Gefahrerhöhung gilt

Nach § 23 VVG darfst du nach Vertragsschluss ohne Einwilligung des Versicherers keine Gefahrerhöhung vornehmen. Eine PV-Anlage gilt vielen Versicherern als genau das: Sie erhöht die Brandlast auf dem Dach, führt bei Tageslicht nicht abschaltbare Gleichspannung und erschwert der Feuerwehr Löscharbeiten. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, die geplante Installation schon vor Arbeitsbeginn zu melden; der ADAC empfiehlt die Meldung vor Lieferung und Montage.

Die Folgen einer unterlassenen Meldung regelt § 26 VVG: Bei vorsätzlicher Verletzung ist der Versicherer leistungsfrei, bei grober Fahrlässigkeit darf er die Leistung anteilig kürzen. Für Gefahrerhöhungen, die du nur anzeigen musstest, gilt: Tritt der Schaden später als einen Monat nach dem Zeitpunkt ein, zu dem die Anzeige hätte vorliegen müssen, muss der Versicherer nicht zahlen – es sei denn, er kannte die Gefahrerhöhung. Immerhin: Hat die Anlage mit dem Schaden nichts zu tun (etwa ein Rohrbruch im Keller), bleibt die Deckung bestehen (§ 26 Abs. 3 VVG). Zusätzlich kann der Versicherer nach § 24 VVG kündigen oder nach § 25 VVG den Beitrag erhöhen.

Der zweite Grund für die Meldung ist die Versicherungssumme: Läuft der Vertrag nach gleitendem Neuwert oder Wohnflächenmodell, muss der Wert der Anlage (bei Einfamilienhäusern oft 10.000–25.000 €) in die Bewertung einfließen – sonst droht bei jedem Schaden am Haus eine anteilige Unterversicherung.

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Was ist gedeckt – und was nicht?

RisikoPV-Baustein in der WohngebäudeversicherungSeparate PV-Versicherung (Allgefahren)
Feuer, Blitzschlag, Explosion
Sturm (ab Windstärke 8), Hagel
Leitungswasser
Überspannung durch Blitzmeist ✅
Elementar (Starkregen, Überschwemmung, Schneedruck, Erdrutsch)nur mit Elementarbausteinmeist ✅
Kurzschluss, Überspannung ohne Blitz, Bedienfehler❌ oder nur als Zusatz
Tierbiss (Marder)❌ oder nur als Zusatz✅ (oft mit Mindestsumme, z. B. 1.000 €)
Diebstahl, Vandalismus❌ oder nur als Zusatz
Grobe Fahrlässigkeittarifabhängig✅ (oft bis Mindestsumme, z. B. 2.500 €)
Ertragsausfall während der Reparatur
Verschleiß, Degradation, Montagefehler❌ (Garantie und Gewährleistung)
Elementarschäden verdienen einen eigenen Blick: Schneedruck kann Module und Unterkonstruktion beschädigen, Starkregen den Wechselrichter im Keller fluten. Beides ist nur mit Elementarbaustein versichert – den laut GDV-Datenservice 2025 erst rund 59 % der Wohngebäude in Deutschland haben. Was Schnee mit der Anlage macht, erklärt der Ratgeber Photovoltaik im Winter; zu Überspannung und Blitz siehe Blitzschutz.

Wann lohnt sich eine separate PV-Versicherung statt des Bausteins?

Der Baustein kostet nach ADAC-Angaben 35–120 € im Jahr und deckt die großen Wetter- und Feuerrisiken. Die separate Allgefahrenpolice liegt für eine 10-kWp-Anlage bei 70–110 € (mit 10-kWh-Speicher 100–160 €) und versichert zusätzlich Bedienfehler, Tierbiss, Diebstahl, Elektronikschäden und den Ertragsausfall. Die Verbraucherzentrale hält die teurere Spezialpolice meist erst ab etwa 10 kW für sinnvoll.

Faustregel: Baustein, wenn die Anlage klein, gut zugänglich und ohne Speicher ist; Allgefahrenpolice bei Speicher, Marderrisiko (Dachboden, ländliche Lage), hohem Anlagenwert oder wenn der Gebäudeversicherer den Baustein nur mit Ausschlüssen anbietet. Einen detaillierten Vergleich der drei Absicherungswege findest du im Ratgeber Photovoltaik-Versicherung.

Haftpflicht: Wer zahlt, wenn die Anlage Dritte schädigt?

Löst sich ein Modul im Sturm und trifft das Nachbarauto, ist das kein Sachschaden an deiner Anlage, sondern ein Haftpflichtfall. Die Wohngebäudeversicherung hilft hier nicht. Viele moderne Privathaftpflicht-Tarife schließen den Betrieb einer PV-Anlage auf dem selbst bewohnten Haus bis zu einer Leistungsgrenze (je nach Tarif etwa 10–30 kWp) ein – einschließlich Einspeisung. Ältere Verträge sehen in der Einspeisung ins öffentliche Netz jedoch eine unternehmerische Tätigkeit und schließen sie aus. Für vermietete Häuser ist die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht zuständig.

Frag schriftlich nach, ob der Betrieb einer Photovoltaikanlage inklusive Einspeisung eingeschlossen ist. Falls nicht, kostet eine eigenständige Betreiberhaftpflicht etwa 30–70 € im Jahr.

Checkliste: PV-Anlage dem Versicherer melden – und der Sonderfall Balkonkraftwerk

So meldest du die Anlage richtig:

  1. Vor der Montage schriftlich (E-Mail reicht) an den Gebäudeversicherer.
  2. Angaben: Leistung in kWp, Anschaffungswert, Montageart (Aufdach, Indach, Fassade), Speicher mit kWh und Aufstellort, Inbetriebnahmetermin, ausführender Fachbetrieb, vorhandener Überspannungsschutz.
  3. Versicherungssumme anpassen lassen und die Bestätigung mit Nachtrag zur Police aufbewahren.
  4. Bedingungen prüfen: Tierbiss, Diebstahl, Überspannung, Elementar, grobe Fahrlässigkeit – und ob ein Ertragsausfall abgedeckt ist.
  5. Privathaftpflicht informieren und die Einspeisung bestätigen lassen.
  6. Bei Anbieterwechsel die Anlage im Antrag angeben; bei einer separaten PV-Police die Wohngebäudeversicherung trotzdem informieren.
Balkonkraftwerk: Steckersolargeräte gehören nicht ins Gebäude-, sondern ins Hausratkonzept. Seit den GDV-Musterbedingungen vom November 2023 sind sie in neuen Hausratverträgen mitversichert – gegen Feuer, Blitz, Sturm, Hagel und Überspannung. Ältere Verträge lassen sich meist umstellen; auch hier gilt: melden, nicht hoffen. Fazit: Eine PV-Anlage ist in der Wohngebäudeversicherung erst dann sicher, wenn sie schwarz auf weiß im Vertrag steht. Die Meldung kostet dich eine E-Mail und 35–120 € im Jahr – ein Schaden ohne Deckung kostet dich die Anlage. Wie viel eine neue Anlage überhaupt wert ist, die du absichern willst, zeigt dir der PV-Rechner.

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Quellen und weiterführende Links

Häufige Fragen

Muss ich meine PV-Anlage der Wohngebäudeversicherung melden?
Ja, am besten schriftlich und noch vor der Montage. Viele Versicherer werten eine PV-Anlage als Gefahrerhöhung nach § 23 VVG, und ohne Meldung ist sie in den meisten Bestandsverträgen gar nicht versichert. Die Aufnahme kostet als Baustein meist 35–120 € im Jahr.
Was passiert, wenn ich die PV-Anlage nicht melde?
Im Schadenfall kann der Versicherer die Leistung kürzen oder ganz verweigern (§ 26 VVG) – bei Vorsatz vollständig, bei grober Fahrlässigkeit anteilig. Außerdem darf er den Vertrag kündigen. Nur wenn die Anlage mit dem Schaden nachweislich nichts zu tun hat, bleibt die Deckung bestehen.
Was kostet die Mitversicherung der PV-Anlage in der Wohngebäudeversicherung?
Ein PV-Baustein kostet nach ADAC-Angaben 35–120 € pro Jahr, ein Speicher-Baustein zusätzlich 20–50 €. Eine separate Allgefahrenpolice liegt für 10 kWp bei 70–110 € und mit 10-kWh-Speicher bei 100–160 € jährlich. Manche neuen Tarife schließen kleine Anlagen bereits ohne Aufpreis ein.
Ist der Batteriespeicher automatisch mitversichert?
Nicht immer. Der Speicher muss oft separat mit Kapazität und Aufstellort gemeldet und als Baustein für etwa 20–50 € im Jahr eingeschlossen werden. Prüfe außerdem, ob Elektronikschäden und Überspannung ohne Blitz abgedeckt sind – das leisten meist nur Allgefahrenpolicen.
Ist ein Balkonkraftwerk über die Wohngebäudeversicherung versichert?
Nein, Steckersolargeräte laufen über die Hausratversicherung. Seit den GDV-Musterbedingungen vom November 2023 sind sie in neuen Hausratverträgen gegen Feuer, Blitz, Sturm, Hagel und Überspannung mitversichert. Bei älteren Verträgen solltest du nachfragen und das Gerät melden, außerdem die Privathaftpflicht informieren.

Weitere Themen: Solar-Angebote, Solar-Rechner, Förderung 2026.


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